|
Die Qualität hat oberste Priorität |
Auch in der Region Bodensee-Oberschwaben gibt es viele akut erkrankte, chronisch kranke sowie behinderte Kinder und Jugendliche. „Die Eltern sind oft mit der Betreuung und Pflege überfordert.
Rund 50 Kinder und Jugendliche werden derzeit stundenweise und bei Bedarf rund um die Uhr von „Akrobat“-Mitarbeitern betreut. Die meisten versorgen ihr Kind bis zur totalen Erschöpfung“, sagt Wolfgang Jauch. Seit 2006 ist er Leiter der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg mit ihren derzeit rund 70 Mitarbeitern. Vor rund vier Jahren hat er die „Arbeitsgemeinschaft Kinderkrankenpflege Region Oberschwaben, Bodensee, Allgäu“, kurz „Akrobat“ genannt, ins Leben gerufen. Beteiligt sind die kirchlichen Sozialstationen in Langenargen, Friedrichshafen, Leutkirch, Wangen und Schlier.
Die Kinderkrankenpflege „Akrobat“ sei aus einer Notlage heraus entstanden. „Wir hatten eine entsprechende Hilfeanfrage von Eltern, die wir nicht bedienen konnten“, so Jauch. Zu diesem Zeitpunkt, im Herbst 2006, sei die Kinderkrankenschwester Manuela Lutz zur Sozialstation gekommen, um nach ihrer Elternzeit wieder in ihren Beruf einzusteigen. Mit dem Wunsch, kranke Kinder in ihrem eigenen Zuhause pflegen zu können, erfüllte sie eine wichtige Voraussetzung für den Start der mobilen Kinderkrankenpflege „Akrobat“. Zusammen mit der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg ist die St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau als Kooperationspartner im Bereich der mobilen Kinderkrankenpflege verantwortlich. Auch sie stellt mit Marlene Lang eine Einsatzleiterin. „Wir ersetzen mit unserem Hilfeangebot weder den Kinderarzt noch die Klinik“, betont Jauch. „Aber wir bieten Familien die daheim benötigte Pflege.“
Rund 50 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen null und 18 Jahren werden derzeit in der Region Oberschwaben/Bodensee/Allgäu durch „Akrobat“ pflegerisch betreut – stundenweise und bei Bedarf auch rund um die Uhr.
Die Qualität der Pflege habe für die Sozialstation oberste Priorität, betont der Geschäftsführer. Das Bezugsteam in Ravensburg biete für die rund 60 examinierten „Akrobat“-Kinderkrankenschwestern fachliche Unterstützung, Schulungen und Fortbildungen an. Auch die langjährige Berufserfahrung sowie ein ständiger Informationsaustausch der Fachkräfte sorgen dafür, dass „Akrobat“ den hohen Anforderungen gerecht wird. „Unser Ziel ist es, flächendeckend bei Bedarf möglichst schnell vor Ort helfen zu können“, so Jauch. Innerhalb von zwei bis drei Tagen lasse sich beispielsweise als vorgeschaltete Versorgung eine notfallmäßige Unterstützung realisieren. Währenddessen werde in Abstimmung mit den Eltern oder auch Geschwisterkindern das individuelle Pflegekonzept erstellt. Eine vernetzte und gute Zusammenarbeit mit der behandelnden Klinik, dem zuständigen Kinderarzt sowie anderen therapeutischen Berufsgruppen ist wichtiger Bestandteil der Arbeit der Sozialstationen. Die Eltern lernen Hand- und Pflegegriffe, die sie selbst vornehmen können. Ziel sei es dabei nicht nur, den Eltern größtmögliche Sicherheit bei der Pflege und im Umgang mit ihrem kranken Kind zu vermitteln, sondern auch die Eigenständigkeit der Familie durch eine gezielte und geplante Rückzugspflege als Hilfe zur Selbsthilfe zu erreichen.
„Seit vier Jahren arbeiten wir eng mit dem KBZO zusammen“, berichtet Jauch. Im Körperbehindertenzentrum Oberschwaben (KBZO) garantieren in Spitzenzeiten bis zu fünf Schwestern eine durchgehende Versorgung der Kinder. Auch in der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Baindt wird die Hilfe der mobilen Kinderkrankenpflege seit drei Jahren in Anspruch genommen. „Akrobat“ ermögliche einigen Kindern die Teilnahme am regulären Unterricht, berichtet Jauch. |
|
|
Gesundheitsrisiko ländlicher Raum? – Experten diskutieren |
|
RAVENSBURG – Mit „Gesundheitsrisiko ländlicher Raum?“ war die Diskussionsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Kinderkrankenpflege Region Oberschwaben, Bodensee, Allgäu (akrobat) am 23. Februar 2011 überschrieben. In der gut zweistündigen Veranstaltung im Schwörsaal in Ravensburg wurden sowohl Lücken im Versorgungssystem als auch Lösungswege aufgezeigt.
Wenn ein Kind lebensbedrohlich erkrankt, einen schweren Unfall erleidet oder in Folge einer Frühgeburt dauerhaft mit Problemen zu kämpfen hat, ändert sich das Leben der ganzen Familie. Zum bisher schon ausgefüllten Familienalltag kommen viele innere und äußere Belastungen hinzu. Diese hoch belasteten Familien brauchen eine umfangreiche Unterstützung, die neben einer guten medizinisch-pflegerischen Versorgung auch alltagspraktische und psychosoziale Hilfen umfasst. Zusätzlich erschwert wird die Situation dann, wenn die Familien im ländlichen Raum leben. „Dieses Thema verdient unsere Aufmerksamkeit“, sagte Dr. Berthold Broll, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Liebenau zur Begrüßung.
Familien regelrecht traumatisiert
Am Beispiel von Frühgeborenen stellte Prof. Dr. med. Christian Poets, Ärztlicher Direktor der Neonatologie der Uniklinik Tübingen, die Situation der Familien dar. Die Familien würden während des Klinikaufenthalts von zwei bis zu mehr als vier Monaten auseinandergerissen. „Viele Familien sind regelrecht traumatisiert“, so Poets. Wird das Kind entlassen, blieben die Familien mit ihren Ängsten und Unsicherheiten vielfach allein, weil die Kriterien für weitere Hilfen zu eng seien. „Hier muss sich etwas ändern“, so Poets.
Kostenträger müssen enger zusammenarbeiten
„Die unterschiedlichen Gesetze bei Krankheit, Behinderung oder Pflege sind nicht aufeinander abgestimmt“, kritisierte Christoph Gräf vom Netzwerk Familie der Stiftung Liebenau. Hier müssten die unterschiedlichen Kostenträger enger zusammenarbeiten, um eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Besonders am Herzen liegt Gräf, dass die besonderen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden. „Die Kinder sollen eine unbeschwerte Kindheit erfahren können“, so seine Ansicht. Dazu gehöre auch, dass Eltern und Geschwisterkinder entlastet würden. Als Problem für die Versorgung im ländlichen Raum zeigte er auf, dass eine kostendeckende Versorgung nicht möglich sei. „Wir fahren für einen Hausbesuch bis zu 50 Kilometer einfache Strecke, was von den Kassen nicht übernommen wird. Wir würden uns wünschen, dass dies entsprechend honoriert wird.“
Hoher Kostendruck und Pflegenotstand
„Es ist eine Frage der Zeit, wie lange wir diesem Kostendruck noch standhalten und unser Versorgungsangebot aufrecht erhalten können“, ergänzte Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg und Initiator von „akrobat“, dem Arbeitsgemeinschaft Kinderkrankenpflege Region Oberschwaben, Bodensee, Allgäu. Ein weiterer Knackpunkt sei der Pflegenotstand, der vor der Kinderkrankenpflege leider nicht Halt mache. Dr. Andreas Artlich, Chefarzt der Ravensburger Kinderklinik unterstrich die Notwendigkeit einer lückenlosen und abgestimmten Versorgungskette, von den Universitätskliniken über die regionalen Krankenhäuser bis hin zur häuslichen Kinderkrankenpflege. „Hier gibt es Optimierungsbedarf“, so Artlich.
Nachsorge: ein Teil der Versorgung
Ein solches Glied in der Versorgungskette sieht Frank Winkler, der Stellvertretende Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Baden-Württemberg in der Sozialmedizinischen Nachsorge. „Wir haben deshalb für die Region Bodensee-Oberschwaben im Oktober 2010 eine Vereinbarung getroffen“, so Winkler. Grundlage hierfür ist ein Kooperationsvertrag zwischen der Oberschwabenklinik und der Stiftung Liebenau. Mit Blick auf die Zukunft regte Winkler an, sogenannte Gesundheitskonferenzen in den heimischen Landkreisen zu installieren. In dem Verbund aus Akteuren aus Gesundheit, Sozialem, Bildung und Wirtschaft gelte es ein Netzwerk zu knüpfen, damit die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in allen Lebensphasen gesichert sei.

Die Versorgungskette für Familien mit Frühchen oder chronisch und lebenslimitiert kranken Kindern muss lückenlos abgestimmt sein: vom Aufenthalt in einer Uniklinik oder in einem regionalen Krankenhaus bis hin zur Versorgung durch die mobile Kinderkrankenpflege zu Hause. Außerdem müssen die Dienste die gesamte Familie im Blick haben. |
|
Jeder Tag zu Hause bedeutet einen Gewinn an Lebensqualität |
|
Kooperation der mobilen Kinderkrankenpflege für Oberschwaben, Bodensee und Allgäu
Mit einer Auftaktveranstaltung und Vertragsunterzeichnung besiegelten die beiden Träger Kirchliche Sozialstation Ravensburg und St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) ihre Kooperation im Bereich der mobilen Kinderkrankenpflege. Die Bündelung von Ressourcen hilft, die Versorgung und Unterstützung von chronisch und schwerkranken Kindern und ihren Familien im Raum Bodensee, Oberschwaben und Allgäu nachhaltig sicherzustellen.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Bei einer schweren Krankheit schon gar nicht. Darüber waren sich die Verantwortlichen bei der Auftaktveranstaltung zur Zusammenarbeit der Sozialstation und der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) im Bereich der mobilen Kinderkrankenpflege einig. Vielmehr benötigen gerade sie zusammen mit ihren Eltern besondere medizinische Pflege, aber auch soziale Betreuung und Unterstützung. „Um die Versorgung der Kinder und ihrer Familien im Raum Bodensee-Oberschwaben-Allgäu sicherzustellen, haben sich die beiden großen Anbieter mobiler Kinderkrankenpflege für Oberschwaben zusammengefunden“, erklärte Herbert Mayer, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg. Dr. Berthold Broll (Vorstandsvorsitzender Stiftung Liebenau) ergänzte: „Wir können in der Region mehr erreichen, wenn wir miteinander, nicht nebeneinander arbeiten.“ Gleichzeitig appellierte er an den Gesetzgeber und die Krankenkassen, Anpassungen bei den Vergütungssätzen vorzunehmen.
Pflege von schwerkranken Kindern stellt andere Anforderungen
Die Kinderkrankenpflege unterliegt nämlich ganz anderen Anforderungen als die Pflege von Erwachsenen. Die Anzahl der schwer kranken Kinder ist im Vergleich zu den Erwachsenen eher gering, der Aufwand für die Fahrt zu den Familien und der zeitliche Bedarf pro Kind sind dafür umso höher. „Es gibt Kinder, die 24 Stunden im Dreischicht-System versorgt werden müssen“, erläuterte Marlene Lang, eine der beiden Einsatzleiterinnen. Zusammen mit ihrer Kollegin Manuela Lutz koordiniert sie die Einsätze der Kinderkrankenpflegekräfte. Die Krankheitsbilder, wie unter anderem Stoffwechsel- und Krebserkrankungen, erfordern eine andere Bereitstellung von Fachkräften. Der Gesetzgeber und die Krankenkassen orientieren sich bei der Vergütung der Kinderkrankenpflege an den Erfordernissen der häuslichen Krankenpflege bei Erwachsenen. Die Sätze decken die deutlich höheren Kosten der mobilen Kinderkrankenpflege nicht.
Wichtiger Beitrag für stark belastete Familien
Claudia Keller, Pflegedienstleiterin der Kinderklinik St. Nikolaus in Ravensburg und Vertreterin von Dr. Elisabeth Harrison, Geschäftsführerin der Oberschwabenklinik, beglückwünschte die Kooperationspartner und bedankte sich wie Dr. Udo Radlow, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum in Friedrichshafen für eine verlässliche ambulante Versorgungsstruktur nach einem Klinikaufenthalt. „Jeder Tag, den die Kinder nicht in der Klinik verbringen müssen, ist ein Gewinn an Lebensqualität“, so Udo Radlow. Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg, schilderte den Nutzen für die beiden Träger. Nicht nur Fahrtkosten, sondern auch Gemeinkosten, wie Raummieten, können reduziert werden. Zum gemeinsamen Leitbild gehören künftig die gemeinsame Qualitätssicherung sowie Fort- und Weiterbildungen. Außerdem nutzen die Träger Synergieeffekte. So stehen aus der Stiftung Liebenau viele Dienste für Familien mit schwerkranken oder behinderten Kind, insbesondere im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie zur Verfügung, von der Sozialmedizinischen Nachsorge, über Familienunterstützende Dienste bis zum Stationären Kinderhospiz. Die Sozialstation Ravensburg ihrerseits bringt einen Verbund aus weiteren sechs Sozialstationen in der Region (Akrobat) ein, auf die die Einsätze der Kinderkrankenpflege je nach geografischer Lage von den Einsatzleiterinnen verteilt werden können. Außerdem koordiniert sie den Einsatz der Familienpflege in der Region und bringt Wissen im Bereich der Palliativversorgung mit ein.
Informationen: Die beiden Einsatzleiterinnen haben ihren Sitz bei der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg in der Schussenstraße 5 in Ravensburg, Telefon: 0180 2576228.

Unterzeichneten die gemeinsame Zusammenarbeit im Bereich der mobilen Kinderkrankenpflege: (vorne links) Dr. Berthold Broll (Vorstandsvorsitzender Stiftung Liebenau) und Herbert Mayer, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg (rechts). Dahinter von links: Christoph Gräf (Leiter Bereich Kinder, Jugend und Familie der St. Gallus-Hilfe), die beiden Einsatzleiterinnen Marlene Lang und Manuela Lutz und Wolfgang Jauch (Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Ravensburg). |
|
„akrobat“ erhält 10000-Euro-Spende |
|
RAVENSBURG – Große Freude bei der kirchlichen Sozialstation Ravensburg und ihren Partnern: Die Kinderkrankenpflege hat Spenden in Höhe von 11280 Euro erhalten. 10000 Euro stammen von der Aktion „Radio 7 Drachenkinder“ und ist von Radio 7-Hörern gespendet worden.

zum Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 27.01.2009 |
|
Sozialstation präsentiert „akrobat“ mit Akrobatik |
|
Beim Aktionstag des diesjährigen Gesundheitsparcours „Menschen(s)kinder“ hat die Kirchliche Sozialstation Ravensburg viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Höhepunkte des Infotags waren Auftritte der Zirkus- und Theaterschule „Moskito“.
Höhepunkte des Infotags waren Auftritte der Zirkus- und Theaterschule „Moskito“. „Viele Besucher haben sich nach unserer Kinderkrankenpflege erkundigt“, fasst Kinderkrankenschwester Manuela Lutz den Tag auf dem Marienplatz zusammen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus der Kinderkrankenpflege und der Familienpflege stand sie den ganzen Tag Rede und Antwort. „Es gibt immer noch viele Betroffene, die unsere Kinderkrankenpflege „akrobat“ nicht kennen und nicht wissen, welche Hilfen sie für ihr krankes oder behindertes Kinder in Anspruch nehmen können“, fügt Geschäftsführer Wolfgang Jauch hinzu, der selbst für einige Stunden den Standdienst übernommen hatte.
Die kleinen Besucher interessierten sich indes für den Sinnesparcours und die Malecke. Einige versuchten sich im Rollstuhlbasketball. Höhepunkte des Informationstages waren die drei Vorführungen der Zirkus- und Theaterschule „Moskito“, die mit ihrer Jonglage und Akrobatik Kinder und Erwachsene gleichermaßen in den Bann zogen.

|
|
|